Pura Meduwe Karang
Ganz im Norden der Insel Bali im Dorf Kubutambahan liegt der Pura Meduwe Karang, ein Tempel der dem Sonnengott Surya, dem Herrn der Felder und der Mutter Erde (ibu pertiwi) geweiht ist.
Der Sonnengott Surya ist das Gegenstück zur Reisgöttin Dewi Sri und wie sie für Fruchtbarkeit und Gedeih der Ernte zuständig. Daher auch der Name, Meduwe Karang bedeutet "dem die Erde gehört".
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Die einheimischen Bauern bitten hier um eine gute Ernte für Mais, Kaffee, Obst, Gemüse und sonstige Feldfrüchte die in Balis Norden gedeihen. Speziell natürlich für genug Regen, denn die meisten Felder in Nordbali können nur schlecht oder gar nicht bewässert werden.
Der Pura Meduwe Karang ist einer der wichtigsten Tempelanlagen Balis und gehört zu den neun Staatstempeln. Er steht in enger Verbindung zum Muttertempel Besakih und ist entsprechend prachtvoll ausgestattet. Wie in Nordbali üblich, ist auch dieser mit überbordenden Steinmetzarbeiten versehen und nahezu symmetrisch aufgebaut.
Vor dem Tempel erwarten den Besucher zwei Eingangstreppen, die mehrere Terrassen überwinden. Auf diesen Terrassen befindet sich eine Parade aus 34 Skulpturen aus dem alten Ramayana-Epos.
Durch ein Candi Bentar gelangt man den ersten, fast leeren, Hof, hier steht nur eine Halle (bale). Weiter geht es über einige Stufen und durch ein zweites Candi Bentar in den nächsten Hof. Am Ende desselben befindet sich die Plattform mit dem Heiligtum des Tempels, flankiert von zwei kleineren Schreinen, die den Gottheiten Ratu Ayu Sari, einer Erscheinungsform der Erdmutter Ibu Prtiwi, und Ratu Ngurah Sari, den Beschützer der Feldfrüchte, geweiht sind.
Die Reliefs der Tempelmauern und Schreine zeigen Geister, Dämonen, Fürsten, Szenen des täglichen Lebens, pornografische Abbildungen und allerlei Zierrat aus Blättern, Blüten und Ranken.
Eine Kampfszene aus dem Ramayana findet sich ebenso wie eine Darstellung die dem letzten Abendmahl aus dem christlichen Kontext ähnelt. Eine Kuriosität ist ein in Stein gehauener Radfahrer, der sich an der linken Seite des Hauptheiligtums befindet. Es handelt sich dabei nicht um einen Balinesen, sondern um den holländischen Forscher und Künstler W. O. J. Nieuwenkamp, der im Jahre 1904 die Insel Bali mit dem Fahrrad erkundete.
Da die Einheimischen diese Art der Fortbewegung damals noch nicht kannten, löste das einen wahren Begeisterungssturm aus. So hielt man seine Erscheinung in einem fast Lebensgroßen Relief fest.
1917 wurden Tempel und Relief bei einem schweren Erdbeben beschädigt. Die nachfolgende Restaurierung verfälschte zwar das Gesicht des Radfahrers und verwandelte ihn fast in einen Balinesen, die immer noch recht lange Nase verrät aber weiterhin seine europäische Abstammung.
Sein Fahrrad wurde auch etwas verändert, aus dem Hinterrad wurde eine Lotosblume, die Kette fehlt, dafür wurde unter das kreissägenartige Kettenblatt ein Hund und eine Ratte gelegt.
Ausgerichtet ist der Tempel entlang einer Ost-West-Achse, das Hauptheiligtum befindet sich dabei im Osten, der aufgehenden Sonne entgegen. Dies entspricht interessanterweise nicht der sonst üblichen Ausrichtung zum Gunugn Agung hin, denn dieser liegt im Südosten der Anlage. Der Eintritt zum Tempel ist frei, über eine Spende freuen sich die Priester aber.





















